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Familie August Wickel

Familie Wickel

Grabmal Wickel © A.Bergemann

Heinrich Ernst Adolf Wickel (1845 Segeberg - 1924 Hamburg) war der Stifter der drei Glasfenster im Chor der Martin-Luther-Kirche; hierzu siehe Die Chorfenster. Er, seine Frau, sein Sohn, und auch ein Bruder sind in einer Gruft auf dem kirchlichen Friedhof beigesetzt. Damit sind die beiden wesentlichen Verbindungen der Familie Wickel mit Trittau genannt.

Heinrich Ernst Adolf Wickels Vater Johann Heinrich Wickel (1811 Segeberg - 1884 Pöhls/Zarpen) war Möbelhändler, Gastwirt und Weinhändler. Besonders der Weinhandel hatte ihn wohlhabend gemacht; die Familie soll ursprünglich aus dem Elsass eingewandert sein[1]. Johann Heinrich war zweimal verheiratet, er hatte vier Kinder aus erster Ehe, darunter Johannes Heinrich (1838 Segeberg - 1905 Helsingfors), und drei aus zweiter Ehe mit Margaretha Dorothea, geb. Steen (1819 Pöhls/Zarpen - 1893 Segeberg), darunter Heinrich Ernst Adolf (geb. 01.03.1847 Segeberg).

Heinrich Ernst Adolfs Halbbruder Johannes Heinrich war Weinhändler wie der Vater. In Helsingfors, dem heutigen Helsinki, vermögend geworden, hatte er 1884 „zu Soolbädern in sein Haus Oldesloer Straße 20 eingeladen und damit einen zeittypischen Gründungsrausch ausgelöst, der 1885 zum Bau eines pompösen Kurhauses ..... am Steilufer des Großen Segeberger Sees führte"[2].

Heinrich Ernst Adolf Wickel - „unser“ Wickel - kam 1889 aus Frankfurt/Main in seine Heimatgegend zurück und kaufte das Gut „Grönwohldhof", in dessen Herrenhaus er investierte, zum Beispiel ließ er eine elektrische Anlage installieren[3].

Wickel war seit dem 5.1.1888 mit Luise Margarethe verheiratet, geb. 4.5.1866 in Namslau/Schlesien, Tochter des Stettiner Landgerichtsdirektors Felix Boas und seiner Ehefrau Maria, geb. Wolff. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Maria Elisabeth, geb. Frankfurt/Main 25.04.1889, und Felix William Wickel, geb. Grönwohld 29.08.1893. Leider starb Luise Wickel schon mit 35 Jahren, am 04.12.1901, im Sanatorium Hohenhonnef bei Honnef. Dieses Sanatorium behandelte Lungenkrankheiten, insbesondere Tuberkulose; es kann also vermutet werden, dass Luise Wickel dieser Krankheit erlag[4]. Sie wurde am 09.12.1901 in der Gruft beigesetzt.

Wickels Verbundenheit mit seinem Heimatort erhellt aus der auch im „Segeberger Kreis-und Wochenblatt" geschalteten Todesanzeige.

Wickel verkaufte das Gut im Jahre 1902 wieder und zog 1902 mit dem Sohn nach Wiesbaden, wo sein Bruder William lebte. Die Tochter war zu dem Zeitpunkt in einer Pension in Bonn[5]. Er starb am 29.02.1924 in Hamburg und wurde am 03.03.1924 in der Gruft beigesetzt.

Die Tochter, Maria Elisabeth Wickel, blieb anscheinend unverheiratet; denn Ende 1938 korrespondierte sie mit Pastor Böhmke von Düren aus unter ihrem Mädchennamen. Von ihr ist weiter nur bekannt, dass sie 1941 bei ihrem Bruder in den Niederlanden lebte.

Felix Wickel 1939 © privat

Der Sohn, Felix William Wickel, wurde Rittmeister in der Reichswehr. Er war Landesgruppenleiter der NSDAP / AO (Auslands-Organisation der NSDAP als 43. Gau) in Niederländisch-Indien, später Legationsrat im Auswärtigen Amt. Im Jahre 1938 wurde seine „halbjüdische Abstammung" bekannt (von der Mutter her) und er reichte ein vom Gauleiter Bohle [6], Staatssekretär im AA, befürwortetes Gnadengesuch ein [7]. Dieses war wohl erfolgreich; denn in einer Publikation über die Kriegwirtschaft wird er als „Legation Counselor" im Haag zitiert, der 1942 an den Unterstaatssekretär Luther (im AA) schrieb, exzessive Härte hätte die Stimmung der niederländischen Bevölkerung erheblich gemindert [8].

Im Jahre 1938 korrespondierte er als Rittmeister a.D. mit Pastor Böhmke, wie auch seine Schwester, wegen des vernachlässigten Zustandes der Grabanlage und wegen der seitens der Partei (lt. Böhmke) propagierten Entfernung aller Metallgitter. Er starb am 18.01.1975 in Bonn und wurde am 24.01.1975 in der Gruft beigesetzt. Felix Wickel war verheiratet gewesen mit Maria, geb. Goerlitz (1912-1998), die der hohen Kosten wegen nicht in der Gruft beigesetzt wurde sondern in Hamburg; sie hatte in Bonn gelebt. Die Ehe blieb kinderlos.

Heinrich Ernst Adolf Wickels Bruder William, geb. 7.11.1849 in Segeberg, starb am 9.4.1922 in Wiesbaden und wurde am 13.4.1922 eingeäschert. Die Urne aus Kunstmarmor wurde am 28.6.1922 nach„Tuttau" geschickt; sie steht in der Wickelschen Gruft. Wann sie beigesetzt wurde, ist unklar;denn im Beerdigungsregister für 1922 ist sie nicht angezeigt und auch nicht im Zusammenhang mit den Beisetzungen von Heinrich Ernst Adolf (1924) oder Felix William (1975).

[1] Diese und weitere Daten zu den Segeberger Wickels aus dem Archiv Peter Sauer, Bad Segeberg.
[2] Website der Stadt Bad Segeberg.
[3] Chronik von Grönwohldhof, Feist/Wilde, 1998
[4] Der Erreger der Tuberkulose, auch Schwindsucht genannt, wurde zwar 1882 von Robert Koch entdeckt, die Heilung der Krankheit gelang aber erst sehr viel später.
[5] Chronik von Grönwohldhof (Feist/Wilde, 1998).
[6] Ernst Bohle war damals SS-Gruppenführer und Leiter der AO.
[7] „Akten der Partei-Kanzlei der NSDAP", Veröffentlicht von Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1992, ISBN 3486496417, 9783486496413.
[8] "Wartime Administration, Economy, and Manpower Resources 1942 - 1944/5", Bernhard R.Kroener, Oxford University Press, 2003, ISBN 0198208731, 9780198208730

 

 

Die Grabanlage

Am Schluß des Artikels finden Sie eine Bilderfolge.

Die Grabanlage der Familie Wickel liegt am Rande des als „Waldfriedhof" bekannten Teils . Das Grabmal steht über dem Eingang zur unterirdischen Grabkammer. Die Grabstelle ist nach dem Ende der Ruhezeit und Auslaufen des Pflegevertrages an die Kirchengemeinde zurückgefallen.

Zur Stellung der Grabanlage kann folgendes gesagt werden: Die Grabanlage ist die einzige Gruft auf dem 1865 angelegten Friedhof; auch in der Kirche und auf dem alten Friedhof um die Kirche herum gibt es keine. Derartige Anlagen sind eher bekannt im Zusammenhang mit Adelssitzen und auf städtischen Friedhöfen.

Die Bedeutung der Grabanlage liegt für die Kirchengemeinde zunächst in der Person desStifters und seiner Familie, dazu - und das auch für die mit (Bau-)Denkmalen nicht üppig ausgestattete Kommunalgemeinde - im kunst-/kulturhistorischen Wert.

 

Beschreibung

Adolf Wickel war 1889 nach Grönwohld gekommen und ist im Protokollbuch des Kirchenvorstandes von 1898 bis 1902 als Gemeindevertreter aufgeführt, Luise Wickel wurde Ende 1901 beigesetzt. Die Grabanlage wird also in der letzten Dekade des 19. Jahrhunderts entstanden sein; eine Genehmigungszeichnung oder andere Unterlagen zur Datierung sind bisher nicht gefunden worden. Sie besteht aus der unteridischen Kammer und einem Überbau aus Sandstein. Die Anlage war ursprünglich von einem Gitter umgeben, das im Zuge der kriegsbedingten Materialsammlung entfernt wurde. Wahrscheinlich nach der Beisetzung von Felix Wickel im Jahre 1975 ist der Treppenschacht zur Grabkammer mit Stahlträgern und Betonplatten abgedeckt worden. 

Die Kammer ist aus unregelmäßigen Granitblöcken aufgemauert, ähnlich der Nordwand der Kirche. Der Boden ist zweifarbig mit Fliesen belegt, die Decke ist aus Beton geschüttet. Die drei beigesetzten Särge wurden 1975 oder später vermauert. Verschlossen ist die Kammer mit einer zweiflügligen Eisentür.

Der Überbau ist ein imposanter Aufbau aus Sandstein mit dekorativen Elementen aus getriebenem Kupferblech, alles im Jugendstil. Auf die Familie Wickel verweist lediglich ein Schild mit der von Ranken umrahmten Schrift „Familie Wickel". Der Spruch auf dem Grabmal aus Jes. 431 lautet: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst: ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!"

 

Restaurierung

Die Kirchengemeinde hat im Herbst 2008 den Denkmalschutz beantragt und erhalten. Die 2009 erfolgte Restaurierung soll den Bestand sichern. Einige Schäden wurden durch Reparatur oder Neuanfertigung behoben. Die freien Flächen wurden mit niedrigen Büschen und Sträuchern bepflanzt. Zuschüsse gab es vom Landeskirchenamt und dem Landesdenkmalamt, einige Spenden von Trittauer Bürgern.

Eine ausführlichere Beschreibung der Restaurierungsarbeiten ist unter dem Titel "Die Grabanlage der Familie Wickel in Trittau" im Jahrbuch für den Kreis Stormarn 2011, M+K HANSA VERLAG GmbH, ISBN 978-3-920610-84-9, erschienen.

 

 

Bilder von der Restaurierung