Nachrichten
Präsentation des Entwurfs der neuen Orgel in der Martin-Luther-Kirche Trittau am 06.05.2012
Eingestellt am: 07.05.2012
Kirchenmusik
08.06.12 19:00 Uhr: VOLKSLIEDERSINGEN mit den jungen Streichern aus der Geigenklasse A. Litzendorf
Die Kirchengemeinde Trittau und die Familie Heinrich Ernst Adolf Wickel
![]() Heinrich Ernst Adolf Wickels Vater Johann Heinrich Wickel (1811 Segeberg - 1884 Pöhls/Zarpen) war Möbelhändler, Gastwirt und Weinhändler. Besonders der Weinhandel hatte ihn wohlhabend gemacht; die Familie soll ursprünglich aus dem Elsass eingewandert sein[1]. Johann Heinrich war zweimal verheiratet, er hatte vier Kinder aus erster Ehe, darunter Johannes Heinrich (1838 Segeberg - 1905 Helsingfors), und drei aus zweiter Ehe mit Margaretha Dorothea, geb. Steen (1819 Pöhls/Zarpen - 1893 Segeberg), darunter Heinrich Ernst Adolf (geb. 01.03.1847 Segeberg). Heinrich Ernst Adolfs Halbbruder Johannes Heinrich war Weinhändler wie der Vater. In Helsingfors, dem heutigen Helsinki, vermögend geworden, hatte er 1884 „zu Soolbädern in sein Haus Oldesloer Straße 20 eingeladen und damit einen zeittypischen Gründungsrausch ausgelöst, der 1885 zum Bau eines pompösen Kurhauses ..... am Steilufer des Großen Segeberger Sees führte"[2]. Heinrich Ernst Adolf Wickel kam 1889 aus Frankfurt/Main in seine Heimatgegend zurück und kaufte das Gut „Grönwohldhof", in dessen Herrenhaus er investierte, zum Beispiel ließ er eine elektrische Anlage installieren[3]. Wickel war seit dem 5.1.1888 mit Luise Margarethe verheiratet, geb. 4.5.1866 in Namslau/Schlesien, Tochter des Stettiner Landgerichtsdirektors Felix Boas und seiner Ehefrau Maria, geb. Wolff. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Maria Elisabeth, geb. Frankfurt/Main 25.04.1889, und Felix William Wickel, geb. Grönwohld 29.08.1899. Leider starb Luise Wickel schon mit 35 Jahren, am 04.12.1901 im Sanatorium Hohenhonnef bei Honnef. Dieses Sanatorium behandelte Lungenkrankheiten, insbesondere Tuberkulose; es kann also vermutet werden, dass Luise Wickel dieser Krankheit erlag[4]. Sie wurde am 09.12.1901 in der Gruft beigesetzt. Wickels Verbundenheit mit seinem Heimatort erhellt aus der auch im „Segeberger Kreis- und Wochenblatt" geschalteten Todesanzeige. Wickel verkaufte das Gut im Jahre 1902 wieder und zog 1902 mit dem Sohn nach Wiesbaden, wo sein Bruder William lebte. Die Tochter war zu dem Zeitpunkt in einer Pension in Bonn[5]. Er starb am 29.02.1924 in Hamburg und wurde am 03.03.1924 in der Gruft beigesetzt. Die Tochter, Maria Elisabeth Wickel, blieb anscheinend unverheiratet; denn Ende 1938 korrespondierte sie mit Pastor Böhmke von Düren aus unter ihrem Mädchennamen. Von ihr ist nichts weiter bekannt. Der Sohn, Felix William Wickel, wurde Rittmeister in der Reichswehr. Er war Landesgruppenleiter der NSDAP / AO (Auslands-Organisation der NSDAP als 43. Gau) in Niederländisch-Indien, später Legationsrat im Auswärtigen Amt. Im Jahre 1938 wurde seine „halbjüdische Abstammung" bekannt (von der Mutter her) und er reichte ein vom Gauleiter Bohle[6], Staatssekretär im AA, befürwortetes Gnadengesuch ein[7]. Dieses war wohl erfolgreich; denn in einer Publikation über die Kriegwirtschaft wird er als „Legation Counselor" im Haag zitiert, der 1942 an den Unterstaatssekretär Luther (im AA) schrieb, exzessive Härte hätte die Stimmung der niederländischen Bevölkerung erheblich gemindert[8]. Im Jahre 1938 korrespondierte er als Rittmeister a.D. mit Pastor Böhmke, wie auch seine Schwester, wegen des vernachlässigten Zustandes der Grabanlage und wegen der seitens der Partei (lt. Böhmke) propagierten Entfernung aller Metallgitter. Er starb am 18.01.1975 in Bonn und wurde am 24.01.1975 in der Gruft beigesetzt. Felix Wickel war verheiratet gewesen mit Maria, geb. Goerlitz (1912-1998), die der hohen Kosten wegen nicht in der Gruft beigesetzt wurde sondern in Hamburg; sie hatte in Bonn gelebt. Die Ehe blieb kinderlos. Heinrich Ernst Adolf Wickels Bruder William, geb. 7.11.1849 in Segeberg, starb am 9.4.1922 in Wiesbaden und wurde am 13.4.1922 eingeäschert. Die Urne aus Kunstmarmor wurde am 28.6.1922 nach „Tuttau" geschickt; sie steht in der Wickelschen Gruft. Wann sie beigesetzt wurde, ist unklar; denn im Beerdigungsregister für 1922 ist sie nicht angezeigt und auch nicht im Zusammenhang mit den Beisetzungen von Heinrich Ernst Adolf (1924) oder Felix William (1975).
[1] Diese und weitere Daten zu den Segeberger Wickels aus dem Archiv Peter Sauer, Bad Segeberg. |
![]() Das Bild des Christus wurde in Anlehnung an die berühmte Christusfigur von Bertel Thorvaldsen in der Frauenkirche zu Kopenhagen entworfen, die oft kopiert oder adaptiert worden ist. Die einladende Geste stand im Bezug zu einem Schriftband am damaligen Altar: „Kommt her zu mir, alle, die Ihr mühselig und beladen seid." (Matth. 1128). Eine Kopie der Plastik steht an der St.Marienkirche in Bad Segeberg. Der Kirchenvorstand dankte am 12.12.1911 mit folgendem Brief: Sehr geehrter Herr Wickel! Die in der Anstalt für Glasmalerei der Professoren Linnemann in Frankfurt a/M verfertigten 3 farbigen Fenster sind hier eingetroffen und in dem neu erbauten Chor eingesetzt. Von Künstlerhand entworfen und sehr schön ausgeführt, bilden sie einen herrlichen Schmuck unserer Kirche und sind die Freude jedes Besuchers. Für diese edle, hochherzige und fromme Stiftung sprechen wir Ihnen, sehr verehrter Herr Wickel, namens der Kirchengemeinde Trittau den herzlichsten und wärmsten Dank aus. Mögen die Fenster in ihrem buntfarbigen Schmuck lange eine Zierde der Kirche und die Freude der Gemeinde bleiben. Der Name des gütigen Stifters und seiner verehrten Familie wird mit der Geschichte unserer Kirche für immer verbunden und hier unvergessen bleiben. Das Kirchenkollegium Jessen [Pastor] Rosenau Steffenhagen Paschen Entworfen und hergestellt wurden die Fenster in der damals renommierten Glaskunstwerkstatt der Brüder Linnemann in Frankfurt/Main, die zum Beispiel den Reichstag, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, den Frankfurter Dom ausgestattet hatten[1]. Wickel mag das Unternehmen in seiner Zeit in Frankfurt und später Wiesbaden kennen gelernt haben. Kunstgeschichtlich sind die Fenster dem Historismus zuzuordnen. Auf wessen Einfluß die historisierende Gestaltung zurückzuführen ist, wohingegen das etwa eine Dekade ältere Grabmal dem Jugendstil folgt, ließ sich aus den Akten nicht eruieren. Die Fenster wurden 1986/87 restauriert, allerdings wurde die Stifterinschrift nicht erneuert. Wie ein kürzlich vom Linnemann-Archiv erhaltenes Werkstattfoto zeigt, hatte sie sich im mittleren Fenster unmittelbar unter dem Bogengang befunden und lautete: „Gestiftet von A.Wickel u. Familie 1911".
[1] Details siehe www.linnemann-archiv.de |












