Nachrichten

Präsentation des Entwurfs der neuen Orgel in der Martin-Luther-Kirche Trittau am 06.05.2012
Eingestellt am: 07.05.2012

mehr...

alle anzeigen

Gottesdienste

20.05.12 10:00 Uhr: Gottesdienst - Exaudi

mehr...

alle anzeigen

Veranstaltungen

01.06.12 15:00 Uhr: Seniorenkaffee

mehr...

alle anzeigen

Kirchenmusik

08.06.12 19:00 Uhr: VOLKSLIEDERSINGEN mit den jungen Streichern aus der Geigenklasse A. Litzendorf

mehr

alle anzeigen

Spendenprojekte

Neubau der Orgel

mehr...

alle anzeigen

Die Kirchengemeinde Trittau und die Familie Heinrich Ernst Adolf Wickel


Namensplatte an der Grabanlage

Heinrich Ernst Adolf Wickel (1845 Segeberg - 1924 Hamburg) war der Stifter der drei Glasfenster im Chor der Martin-Luther-Kirche. Er, seine Frau, sein Sohn, und auch ein Bruder sind in einer Gruft auf dem kirchlichen Friedhof beigesetzt. Damit sind die beiden wesentlichen Verbindungen der Familie Wickel mit Trittau genannt.


Wir können nur Adolfs Halbbruder Johann Heinrich zeigen

Heinrich Ernst Adolf Wickels Vater Johann Heinrich Wickel (1811 Segeberg - 1884 Pöhls/Zarpen) war Möbelhändler, Gastwirt und Weinhändler. Besonders der Weinhandel hatte ihn wohlhabend gemacht; die Familie soll ursprünglich aus dem Elsass eingewandert sein[1].  Johann Heinrich war zweimal verheiratet, er hatte vier Kinder aus erster Ehe, darunter Johannes Heinrich (1838 Segeberg - 1905 Helsingfors), und drei aus zweiter Ehe mit Margaretha Dorothea, geb. Steen (1819 Pöhls/Zarpen - 1893 Segeberg), darunter Heinrich Ernst Adolf (geb. 01.03.1847 Segeberg).

Heinrich Ernst Adolfs Halbbruder Johannes Heinrich war Weinhändler wie der Vater. In Helsingfors, dem heutigen Helsinki, vermögend geworden, hatte er 1884 „zu Soolbädern in sein Haus Oldesloer Straße 20 eingeladen und damit einen zeittypischen Gründungsrausch ausgelöst, der 1885 zum Bau eines pompösen Kurhauses ..... am Steilufer des Großen Segeberger Sees führte"[2].

Heinrich Ernst Adolf Wickel kam 1889 aus Frankfurt/Main in seine Heimatgegend zurück und kaufte das Gut „Grönwohldhof", in dessen Herrenhaus er investierte, zum Beispiel ließ er eine elektrische Anlage installieren[3]. Wickel war seit dem 5.1.1888 mit Luise Margarethe verheiratet, geb. 4.5.1866 in Namslau/Schlesien, Tochter des Stettiner Landgerichtsdirektors Felix Boas und seiner Ehefrau Maria, geb. Wolff. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Maria Elisabeth, geb. Frankfurt/Main 25.04.1889, und Felix William Wickel, geb. Grönwohld 29.08.1899.

Leider starb Luise Wickel schon mit 35 Jahren, am 04.12.1901 im Sanatorium Hohenhonnef bei Honnef. Dieses Sanatorium behandelte Lungenkrankheiten, insbesondere Tuberkulose; es kann also vermutet werden, dass Luise Wickel dieser Krankheit erlag[4]. Sie wurde am 09.12.1901 in der Gruft beigesetzt. Wickels Verbundenheit mit seinem Heimatort erhellt aus der auch im „Segeberger Kreis- und Wochenblatt" geschalteten Todesanzeige.

Wickel verkaufte das Gut im Jahre 1902 wieder und zog 1902 mit dem Sohn nach Wiesbaden, wo sein Bruder William lebte. Die Tochter war zu dem Zeitpunkt in einer Pension in Bonn[5]. Er starb am 29.02.1924 in Hamburg und wurde am 03.03.1924 in der Gruft beigesetzt.

Die Tochter, Maria Elisabeth Wickel, blieb anscheinend unverheiratet; denn Ende 1938 korrespondierte sie mit Pastor Böhmke von Düren aus unter ihrem Mädchennamen. Von ihr ist nichts weiter bekannt.

Der Sohn, Felix William Wickel, wurde Rittmeister in der Reichswehr. Er war Landesgruppenleiter der NSDAP / AO (Auslands-Organisation der NSDAP als 43. Gau) in Niederländisch-Indien, später Legationsrat im Auswärtigen Amt. Im Jahre 1938 wurde seine „halbjüdische Abstammung" bekannt (von der Mutter her) und er reichte ein vom Gauleiter Bohle[6], Staatssekretär im AA, befürwortetes Gnadengesuch ein[7]. Dieses war wohl erfolgreich; denn in einer Publikation über die Kriegwirtschaft wird er als „Legation Counselor" im Haag zitiert, der 1942 an den Unterstaatssekretär Luther (im AA) schrieb, exzessive Härte hätte die Stimmung der niederländischen Bevölkerung erheblich gemindert[8].

Im Jahre 1938 korrespondierte er als Rittmeister a.D. mit Pastor Böhmke, wie auch seine Schwester, wegen des vernach­lässigten Zustandes der Grabanlage und wegen der seitens der Partei (lt. Böhmke) propagierten Entfernung aller Metallgitter. Er starb am 18.01.1975 in Bonn und wurde am 24.01.1975 in der Gruft beigesetzt. Felix Wickel war verheiratet gewesen mit Maria, geb. Goerlitz (1912-1998), die der hohen Kosten wegen nicht in der Gruft beigesetzt wurde sondern in Hamburg; sie hatte in Bonn gelebt. Die Ehe blieb kinderlos.

Heinrich Ernst Adolf Wickels Bruder William, geb. 7.11.1849 in Segeberg, starb am 9.4.1922 in Wiesbaden und wurde am 13.4.1922 eingeäschert. Die Urne aus Kunstmarmor wurde am 28.6.1922 nach „Tuttau" geschickt; sie steht in der Wickelschen Gruft. Wann sie beigesetzt wurde, ist unklar; denn im Beerdigungs­register für 1922 ist sie nicht angezeigt und auch nicht im Zusammenhang mit den Beisetz­ungen von Heinrich Ernst Adolf (1924) oder Felix William (1975).

 


[1] Diese und weitere Daten zu den Segeberger Wickels aus dem Archiv Peter Sauer, Bad Segeberg.
[2] Website der Stadt Bad Segeberg.
[3] Chronik von Grönwohldhof, Feist/Wilde, 1998
[4] Der Erreger der Tuberkulose, auch Schwindsucht genannt, wurde 1882 von Robert Koch entdeckt, die Heilung gelang erst sehr viel später.
[5] Chronik von Grönwohldhof (Feist/Wilde, 1998).
[6] Ernst Bohle war damals SS-Gruppenführer und Leiter der AO.
[7] „Akten der Partei-Kanzlei der NSDAP", Veröffentlicht von Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1992,
ISBN 3486496417, 9783486496413.
[8] "Wartime Administration, Economy, and Manpower Resources 1942 - 1944/5", Bernhard R. Kroener, Oxford University Press, 2003, ISBN 0198208731, 9780198208730

Grab im Novemder 2009
Grab im November 2009

Die Grabanlage

Auf dem Friedhof der Kirchengemeinde liegt am Rande des als „Waldfriedhof" bekannten Teils die Grabanlage der Familie Wickel. Das Grabmal steht über dem Eingang zur unterirdischen Grabkammer. Die Grabstelle ist nach dem Ende der Ruhezeit und Auslaufen des Pflegevertrages an die Kirchengemeinde zurückgefallen.

Zur Stellung der Grabanlage kann bisher folgendes gesagt werden: 

  • Die Grabanlage ist die einzige Gruft auf dem 1865 angelegten Friedhof; auch in der Kirche und auf dem alten Friedhof um die Kirche herum gibt es keine. Derartige Anlagen sind eher bekannt im Zusammenhang mit Adelssitzen und auf städtischen Friedhöfen.
  • Die Bedeutung der Grabanlage liegt für die Kirchengemeinde zunächst in der Person des Stifters und seiner Familie, dazu - und das auch für die mit (Bau-)Denkmalen nicht üppig ausgestattete Kommunalgemeinde - im kunst-/kulturhistorischen Wert.


Treppe zur Grabkammer

Beschreibung

Adolf Wickel war 1889 nach Grönwohld gekommen und ist im Protokollbuch des Kirchenvorstandes von 1898 bis 1902 als Gemeindevertreter aufgeführt, Luise Wickel wurde Ende 1901 beigesetzt. Die Grabanlage wird also in der letzten Dekade des 19. Jahrhunderts entstanden sein; eine Genehmigungs­zeichnung oder andere Unterlagen zur Datierung sind nicht gefunden worden. Sie besteht aus der unteridischen Kammer, deren Zugang mit Rasen abgedeckt ist, und einem Überbau aus Sandstein. Das Grabmal war ursprünglich von einem Gitter umgeben.

Die Kammer ist aus unregelmäßigen Granitblöcken aufgemauert, ähnlich der Nordwand der Kirche. Der Boden ist zweifarbig mit Fliesen belegt, die Decke ist aus Beton geschüttet. Die drei beigesetzten Särge wurden in den 1970er Jahren vermauert. Verschlossen ist die Kammer mit einer zweiflügligen Eisentür. Der Treppenschacht zur Grabkammer ist mit Stahlträgern und Betonplatten abgedeckt.

Der Überbau ist ein imposanter Aufbau aus Sandstein mit dekorativen Elementen aus getriebenem Kupferblech, alles im Jugendstil. Auf die Familie Wickel verweist lediglich ein Schild mit der von Ranken umrahmten Schrift „Familie Wickel". Der Spruch auf dem Grabmal aus Jes. 431 lautet: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst: ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!"

Oberer Türverschluß
Oberer Türverschluß

Restaurierung

  • Die Kirchengemeinde hat im Herbst 2008 den Denkmalschutz beantragt und erhalten. Die 2009 erfolgte Restaurierung soll den Bestand sichern. Einige Schäden wurden durch Reparatur oder Neuanfertigung behoben. Die freien Flächen wurden mit niedrigen Büschen und Sträuchern bepflanzt.
  • Zuschüsse des Landeskirchenamtes und des Landesdenkmalamtes wurden bewilligt. Die bei der Gemeinde verbleibenden Kosten dieser Restaurierung müssen mangels freier Mittel durch Spenden getragen werden.


Chorfenster

Die Chorfenster

Die drei Fenster wurden im Zuge des Neubaus des Chores 1911 gestiftet. Das „Segeberger Kreis- und Wochenblatt" schrieb über die Einweihung: „Am Sonntag wurde in der umgebauten Kirche wieder Gottesdienst abgehalten. Die Gemeinde hatte sich zahlreich eingefunden und durfte sich des wertvoll und gefällig umgebauten Gotteshauses erfreuen. Durch die farbigen Fenster flutete das Sonnenlicht und ließ das Innere der Kirche in freundlichem Glanz erscheinen. ....."


Kopie des Thorvaldsen-Christus an der St.Marienkirche in Bad Segeberg

Das Bild des Christus wurde in Anlehnung an die berühmte Christusfigur von Bertel Thorvaldsen in der Frauenkirche zu Kopenhagen entworfen, die oft kopiert oder adaptiert worden ist. Die einladende Geste stand im Bezug zu einem Schriftband am damaligen Altar: „Kommt her zu mir, alle, die Ihr mühselig und beladen seid." (Matth. 1128). Eine Kopie der Plastik steht an der St.Marienkirche in Bad Segeberg.

Der Kirchenvorstand dankte am 12.12.1911 mit folgendem Brief: 

Sehr geehrter Herr Wickel! 

Die in der Anstalt für Glasmalerei der Professoren Linnemann in Frankfurt a/M verfertigten 3 farbigen Fenster sind hier eingetroffen und in dem neu erbauten Chor eingesetzt. Von Künstlerhand entworfen und sehr schön ausgeführt, bilden sie einen herrlichen Schmuck unserer Kirche und sind die Freude jedes Besuchers.

Für diese edle, hochherzige und fromme Stiftung sprechen wir Ihnen, sehr verehrter Herr Wickel, namens der Kirchengemeinde Trittau den herzlichsten und wärmsten Dank aus. Mögen die Fenster in ihrem buntfarbigen Schmuck lange eine Zierde der Kirche und die Freude der Gemeinde bleiben. Der Name des gütigen Stifters und seiner verehrten Familie wird mit der Geschichte unserer Kirche für immer verbunden und hier unvergessen bleiben.

Das Kirchenkollegium
der Kirchengemeinde Trittau 

Jessen [Pastor]            Rosenau            Steffenhagen             Paschen
I. Bubert            Benn            E. Walter            Rughase
H. Müller            F. Rosenau            H. Martens            H. Timmermann
P. Stubbendorf            H. Meister            H. Lantz            E. Möller
H. Bruhn            H. Feldhusen            J. Ekmann            F. Lorenzen arch.

Entworfen und hergestellt wurden die Fenster in der damals renommierten Glaskunstwerk­statt der Brüder Linnemann in Frankfurt/Main, die zum Beispiel den Reichstag, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, den Frankfurter Dom ausgestattet hatten[1]. Wickel mag das Unternehmen in seiner Zeit in Frankfurt und später Wiesbaden kennen gelernt haben.

Kunstgeschichtlich sind die Fenster dem Historismus zuzuordnen. Auf wessen Einfluß die historisierende Gestaltung zurückzuführen ist, wohingegen das etwa eine Dekade ältere Grabmal dem Jugendstil folgt, ließ sich aus den Akten nicht eruieren.

Die Fenster wurden 1986/87 restauriert, allerdings wurde die Stifterinschrift nicht erneuert. Wie ein kürzlich vom Linnemann-Archiv erhaltenes Werkstattfoto zeigt, hatte sie sich im mittleren Fenster unmittelbar unter dem Bogengang befunden und lautete: „Gestiftet von A.Wickel u. Familie 1911".

 


 

[1] Details siehe www.linnemann-archiv.de


Kaiser Lothar in der St.Marienkirche in Bad Segeberg

Auch in seinem Geburtsort Segeberg hatte sich Heinrich Ernst Adolf Wickel als Stifter betätigt: Zusammen mit seinem Bruder Friedrich William stiftete er 1906 das große Fenster im nördlichen Querschiff der St.Marienkirche in Segeberg. Es stellt Kaiser Lothar III. dar, den Gründer der Kirche und Burg in Segeberg, und wurde ebenfalls von der Werkstatt Linnemann geliefert. Wie in Trittau, stand auch hier die Stiftung in zeitlichem Zusammenhang mit Umbauten der Kirche.